wooden cloud / Berlin

Die dritte wooden-cloud-Installation wurde im Sommer 2017 am Richardplatz in Berlin verwirklicht. 

Auszug aus dem Buch zur wooden cloud Berlin 2017:
Ich wünsche: Mehr gesunden Menschenverstand
(Buchbestellung: siehe Kataloge)

Nie hätte ich geglaubt, dass es ein zweites St. Petersburg werden würde, mit tagelangem Starkregen, speienden Fallrohren und zerfetzten Regenschirmen. Und nie hätte ich mir vorgestellt, dass es so schwierig werden würde, den richtigen Standort für meine Installation zu finden, dass ich mit so vielen Vorbehalten, Vorschriften, Tabus, Restriktionen zu tun haben würde, die es irgendwann fast unmöglich erschienen ließen, das Projekt umzusetzen. Mein Gott, es ging um Berlin, die Stadt der Kunst, der verrückten Ideen, das Zentrum des Ungehorsams, den wahren Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. In dieser Stadt, so groß wie das Saarland gab es doch unzählige Parks, Plätze, Gebäudeecken, Häuserlücken, die nur darauf warteten, von mir für eine Zeitlang mit Holzlatten gestaltet zu werden. Glaubte ich. Beflügelt und übermütig geworden durch die Aussage einer Mitarbeiterin des Kanzleramtes, „Da brauchen wir gar nicht lange zu suchen, wir setzen das Ding auf die große Wiese, direkt vor den Reichstag“, gestattete ich mir, ebendiesen Platz abzulehnen, und war mir zu jenem Zeitpunkt noch sicher, jede mir in den Sinn kommende Stelle in Berlin haben zu können. Dabei würden mich die Orte, an denen sich wie in jeder Metropole Menschen aus aller Welt tummeln, bloß keine Einheimischen, nicht interessieren. Es war der Petersburg-Effekt, der hier durchschlug.

Die wooden cloud am Richaedplatz in Berlin
Die wooden cloud im Regen

 

 

Auch dort hatte ich bei der Standortsuche zuerst die bekannten Plätze im Sinn, die Fläche vor der Eremitage, den Park an der Auferstehungskirche oder in der Mitte des Newski-Prospekts die Grünfläche im Halbrund der Kasaner Kathedrale. Die größtmögliche Aufmerksamkeit sollte die wooden cloud haben, dachte ich damals.
Doch gerade der etwas versteckte, von den Reiseführern höchstens im Nebensatz erwähnte Park der Russischen Akademie der Künste hatte sich als der richtige Standort herausgestellt. Die Erfahrung dort hatte mir klargemacht, wie wichtig es für die Idee meines Projektes ist, nicht die Touristen in ei- ner Stadt zu erreichen, sondern ihre Bewohner, die Menschen, die dort leben. Nein, nicht der Reichstag, auch nicht die Wasserfläche vor dem Haus der Kulturen der Welt, die mich ästhetisch sehr gereizt hätte, auch nicht das Karree vor der Humboldt-Universität oder gar die direkte Umgebung des Stadtschlosses, die man mir für Ende 2018 in Aussicht gestellt hatte, wenn die Bauarbeiten bis dahin abgeschlossen sein würden. Ich wollte dorthin, wo ich die Berliner antreffen würde. Das Tempelhofer Feld zum Beispiel war meine erste Wahl. Ein genialer Ort für das Projekt. Dort verbringen die Berliner ihre Freizeit, treffen sich zum Sport, zum Picknick und zum Feiern. Dort wollte ich sie auch treffen. Mit einer Ablehnung hätte ich nie gerechnet, sie war nicht mal plausibel, und sie war der Anfang der Erkenntnis, dass in Berlin niemand wirklich auf mich und meine wooden cloud wartete. Sie gab mir aber auch den Impuls, darum zu kämpfen, entfachte eine Art „Jetzt-erst-recht-Antrieb“, der mir noch über so manchen Rückschlag hinweghelfen würde.
(Ende Auszug)
Als nächste Station der wooden cloud ist für 2018 Paris geplant.