wooden cloud / Ramallah

Die fünfte wooden cloud entstand vom 6. Juni – 5. Juli 2019  im Al Istiqlal Park in Ramallah.

Link zu dem Artikel „Eine hölzerne Wolke voller Wünsche“ auf der Website des Goethe-Institutes. Von Alexandra Föderl-Schmid, Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2019.

Eine Wolke aus Wünschen für Ramallah

Saarbrücker Zeitung, 22. Mai 2019
von Esther Brenner

Martin Steinerts wooden-cloud-Kunstprojekt zieht immer weitere Kreise. Ab Juni installiert der Saarbrücker Künstler eine neue Holzlatten-Skulptur in Ramallah im Westjordanland.

Eigentlich kann Martin Steinert kaum fassen, was sich aus seiner ersten wooden cloud entwickelt hat. Erstmals installierte er eine solche Holzlatten-Skulptur 2014 in einer Kirche im österreichischen Feldkirch. Seitdem ist der 60-jährige Künstler in Europa unterwegs, realisierte bis heute vier weitere seiner beeindruckenden Holz-Wolken: in der Saarbrücker Johanneskirche(2015), in St. Petersburg (2016), in Berlin (2017) und in Paris (2018). Grobe Holzlatten sind seit Jahren sein Arbeitsmaterial, daraus baut der Künstler Skulpturen, die mittlerweile nicht nur als wooden clouds gefragt sind. So arbeitete er in Belgien an einer Museumsfassade, im Ruhrpott und im Wassergarten von Landsweiler-Reden entstand die Installation „Kumpel“ zum Ende des Bergbaus im vergangenen Jahr. Gerade ist Steinert aus Prag zurückgekehrt, wo im kommenden Jahr eine wooden cloud entstehen wird – auf einer Insel in der Moldau „mit Blick auf die berühmte Karlsbrücke“, erzählt der Saarbrücker Künstler.

Doch in zwei Wochen geht es erst einmal nach Ramallah im Westjordanland. Dort hat der Künstler den Auftrag, eine wooden cloud im zentralen „Istiqlal Park“ zu realisieren. Wie immer werden die Menschen vor Ort eingebunden sein, indem sie ihre Wünsche und Träume auf die Holzlatten schreiben, die später zum Kunstwerk werden. Das ist das Konzept seiner Kunst, für die Steinert nicht nur Zustimmung erhält. Allzu leicht zugänglich sei das alles, werfen ihm Kritiker vor – und immer das Gleiche. Mittlerweile kann er ganz gut mit dieser Kritik leben, denn die wooden clouds sind ein Erfolg. Sie bringen Menschen zueinander.

Dieses Potential hat auch das Goethe-Institut in Ramallah erkannt und Steinert und sein Team eingeladen, eine wooden cloud zu installieren. Ramallah ist ein politisch aufgeladener Ort, autonom verwaltet von der palästinensischen Hamas, gelegen im von Israel seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzten Westjordanland, auch bekannt als West Bank. Rund 40 Prozent des Westjordanlandes sowie der Gaza-Streifen gehören zu den autonomen Palästinensergebieten. Es ist ein Ort mit reichlich sozialem und politischem Sprengstoff, an dem eine arabisch-muslimische Mehrheit auf christlich-arabische und jüdische Minderheiten trifft und der Konflikt zwischen vertriebenen Palästinensern und israelischen Besatzern und immer neuen israelischen Siedlern weiter schwelt und regelmäßig aufflammt. Steinerts wooden cloud als Wolke der Wünsche und Hoffnungen passt daher bestens nach Ramallah.
Wie kam es aber überhaupt zu dem Kontakt? Eine offizielle Delegation aus dem Westjordanland hatte Steinerts wooden-cloud-Installationen bei einem Besuch im Saarland und im Kuba-Kulturbahnhof in Saarbrücken kennengelernt und war begeistert. Denn Steinert bringt mit seiner „Architektur der Wünsche“ Menschen zusammen, indem er sie in den Entstehungsprozess des Kunstwerks einbindet. Über die Skulptur kommen sie ins Gespräch miteinander, tauschen sich aus, erzählen von ihren Ideen, Hoffnungen, Träumen, Ängsten – und schreiben sie auf die Holzstäbe. So entstehen Moment­aufnahmen gesellschaftlicher Befindlichkeiten, denn die wooden clouds sind temporäre Objekte, die wieder aus dem öffentlichen Raum verschwinden – nicht aber, ohne Spuren zu hinterlassen. Das hoffen jedenfalls Martin Steinert und sein mittlerweile bewährtes Team, darunter der Fotograf André Mailänder und die französische Filmemacherin Mathilde Nodenot, die ihn auch dieses Mal begleiten werden. Zu den bereits umgesetzten wooden clouds gibt es jeweils Publikationen, zum Berlin-Projekt auch einen Film. „Die Skulptur dient als Projektionsfläche für soziale Konflikte“, erzählt Steinert. Vor allem am Richardplatz in Berlin-Neukölln, wo viele Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen leben, habe die wooden cloud für viele Diskussionen gesorgt. So erhoffe er sich das auch für Ramallah.

Auch zu diesem Projekt wird ein Buch entstehen. „Es soll umfangreicher als die vorherigen werden und Beiträge von bekannten israelischen und palästinensischen Autoren enthalten“, kündigt Martin Steinert an. Das Buch soll in Arabisch, Englisch, Französisch und Deutsch erscheinen. Finanziert wird das Projekt vom Goethe-Institut und vom Französischen Konsulat in Ramallah.

wooden cloud / Paris

soirée spéciale
Wooden Cloud Paris – Arc pour la paix

Dienstag, 26. Februar 2019

Présentation du livre Wooden Cloud Paris – Arc pour la Paix de Martin Steinert, André Mailänder et Mathilde Nodenot

Au printemps 2018, l’artiste sarrois Martin Steinert réalisait sa sculpture Wooden Cloud – Arc pour la Paix devant l’entrée de la Maison Heinrich Heine, une œuvre symbole de dialogue entre les peuples et les cultures. Le photographe André Mailänder a documenté sa construction et immortalisé les passants et étudiants ayant noté leurs souhaits sur la sculpture.

Un livre retrace désormais cette aventure artistique et humaine, qui se poursuivra en 2019 à Ramallah en Palestine. À l’occasion du lancement de cette publication en présence d’Ulrich Commerçon, Ministre de l’Éducation et de la Culture de la Sarre, Martin Steinert reviendra sur l’histoire du projet et Mathilde Nodenot présentera son installation vidéo Phrasé / Phalène, inspirée par la diversité des gestes quotidiens des résidents de la Cité internationale universitaire de Paris.

Buch zu wooden cloud Paris 2018

Das Buch zur wooden cloud Paris kann über Martin Steinert bezogen werden.

ISBN 978-3-00-062015-7, Hardcover, 188 Seiten

Text von Martin Steinert
Fotos und Fotolayout von André Mailänder
Videostills und Stilllayout von Mathilde Nodenot

Die vierte wooden-cloud-Installation am Maison Heinrich Heine, Cité internationale universitaire de Paris.

Pünktlich, einen Tag vor der Vernissage am 11. April, hat Martin Steinert heute seine wooden cloud Paris, den arc pour la paix, vollendet.

Das gesamte Team hat in den vergangenen Wochen großartig zusammengearbeitet und tolle Unterstützung vor Ort erfahren um dieses einzigartige Kunstwerk zu schaffen. Ein besonderer Dank geht hierbei an unsere Freunde des Maison Heinrich Heine!
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Das Buch: Kumpel

Im Rahmen des Kunstprojekts KUMPEL, zum Ende des Steinkohlebergbaus in Deutschland, ist ein Buch entstanden, mit den gesammelten Geschichten zum Bergbau und Fotografien von ANDRÉ MAILÄNDER sowie ein Film von MATHILDE NODENOT.

Installationen aus Holz / 2014 – 2018

Film: 2014 Kunstprojekt GegenOrt, Landsweiler-Reden / 2014 Holzinstallation in der Johanniterkirche, Feldkirch, Österreich / 2015 Holzinstallation wooden cloud in der Johanneskirche, Saarbrücken / 2015 Holzinstallation Esquisse en bois sur fond noir im Grand-Curtius-Museums in Liége, Belgien / 2015 Holzinstallation Die Kugel in der Christ-König-Kirche, Bochum / 2016 Holzinstallation wooden cloud in St. Petersburg, Russland / 2017 Holzinstallation wooden cloud am Richardplatz, Berlin / 2017 Das Boot, Bosener Mühle, St. Wendel / 2018 Holzinstallation wooden cloud am Maison Heinrich Heine, Cité internationale universitaire de Paris / 2018 Holzinstallation Kumpel, Zeche Zollverein, Essen und Grube Reden, Landsweiler-Reden

Fotos: André Mailänder/Martin Steinert; Film: Michael Siffrin

Die Mauer der abgehängten Körbe

Foto: Björn Kassubek

Mittlerweile sind beide Installationen wieder demontiert. Glücklicherweise wurden aber alle 400 Holzkörbe in ein neues Kunstwerk überführt und können so im Wassergarten Reden noch bis Ende November bestaunt werden. Schon leicht verwittert und einiger Geschichten „beraubt“ bilden die Körbe über- und nebeneinander gestapelt eine imposante Mauer.

Im Winter 2019

Kumpel-Projekt: Zeche Zollverein / Grube Reden

von Martin Steinert
Bei der Idee eines Kunstprojektes zum Ende des Bergbaus 2018 hat mich das Thema Waschkaue inspiriert. Die Waschkauen, die Umkleide- und Bade- hallen der Bergleute, waren die Schleusen zwischen dem Alltag und dem Leben unter Tage, zwischen der weißen und der schwarzen Welt, die jeder Bergmann zweimal täglich passieren musste. Die Waschkauen waren der intimste Ort des Bergbaualltags und Symbol der engen Verbundenheit, des Vertrauens, des Zusammenhalts und des Bewusstseins, aufeinander angewiesen zu sein. Sie waren Orte, an denen man sich täglich traf, sich umzog, sich wusch und sich austauschte. Sie waren die Schnittstelle zwischen Arbeit und gesellschaftlichem Leben. Beides möchte ich zum Inhalt meines Kunstprojektes machen, das im Sommer 2018 über mehrere Wochen gleichzeitig im Ruhrgebiet und im Saarland realisiert werden soll. Die einzigartige optische Ästhetik der Waschkauen, die durch an Ketten hochgezogene Kleiderhaken oder Körbe geprägt war, ist dabei die künstlerisch gestalterische Inspiration.

An zwei markanten Orten (Zeche Zollverein in Essen, Ruhrgebiet und im Wassergarten Reden, Saarland) soll jeweils eine raumgreifende Holzinstallation entstehen. Für diese sich gleichenden Installationen werde ich aus Holzlatten jeweils etwa 200 Gebilde gestalten, die in ihrer Form an Körbe der Waschkauen erinnern sollen. Sie werden etwa 120 x 40 x 40 cm groß sein und innen hohl, also tatsächlich befüllbar sein. Ihre äußere Form würde leicht variieren, so wie auch die mit den persönlichen Kleidungsstücken gefüllten Körbe immer Unikate waren.

Kumpel-Installation in Wassergarten Grube Reden/Saarland

Während der mehrere Wochen dauernden Entstehung dieser hölzernen Körbe würde die Bevölkerung der Bergbauregionen über die Presse und sozialen Medien, die von Anfang an in das Projekt einbezogen sind, informiert werden und aufgerufen, sich an dem Projekt zu beteiligen.

Kumpel-Installation an der Kokerei Zeche Zollverein, Essen/Ruhrgebiet

Man kann sicherlich behaupten, dass es in diesen Regionen in der Geschichte beinahe jeder Familie mindestens einen Bergmann gab und es in jeder dieser Familien Erinnerungen an das vom Bergbau geprägte Leben gibt. Da mein Großvater Bergmann im Saarland war, habe ich selbst aus erster Hand viele spannende, tragische und amüsante Anekdoten aus der Welt des Bergbaus erfahren, habe aber auch erlebt, wie diese über drei Generationen weitergetragen wurden bis mittlerweile ich es bin, der die Erinnerungen weitererzählt. Diese Geschichten sollen das Hauptthema des Kunstprojektes sein. Dazu würden die Familien, die mit dem Bergbau verbunden waren, solche Anekdoten, Erzählungen und Erinnerungen aus dem Bergmannsalltag aufschreiben und mir und meinem Team zuschicken oder uns zu sich einladen, um ihre Geschichten persönlich zu erzählen. Egal, ob sie aus erster, zweiter oder auch aus vierter Hand erzählt werden, kann man sicher sein, dass unzählige davon in den Familien noch präsent sind und mit Freude weitergegeben werden.

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Das Boot / St. Wendel

Ergebnis des ersten Workshops der Reihe „Straße der Skulpturen reloaded“, Bosener Mühle, Winter 2018


Und es ist wie immer: so gut es tut, eine Arbeit vollendet zu haben, so schade ist es auch, dass es vorbei ist. Vor allem, wenn man ein tolles Team war.

Innerhalb des Kulturprogramms „steinreich“ der KulturLandschaftsinitiative St. Wendeler Land (KuLanI) wurde im Jahr 2018 die Skulpturenstraße in St. Wendel in den öffentlichen Fokus gerückt. Der Bildhauer Martin Steinert war dabei der erste Künstler, der mit einem fertigen Projektvorschlag im Januar die Arbeit zu seiner Plastik aufnahm. Diese wurde auf dem Areal des Kunstzentrums Bosener Mühle von ihm und einem Helferteam realisiert. Regen, Schnee und Kälte bestimmten die Arbeitswochenenden im Januar und Februar. Doch der Künstler und sein Team ließen sich davon nicht abschrecken. Innerhalb der beiden Monate entwickelten sie die Plastik und konnten diese Ende Februar an ihren Liegeplatz aufstellen.
Das Material wird mit der Zeit verfallen. Die Plastik ist also im Gegensatz zu den vielen steinernen Skulpturen des von Leo Kornbrust in den Siebzigern injizierten Projekts temporär ausgerichtet.

wooden cloud / Berlin

Die dritte wooden-cloud-Installation wurde im Sommer 2017 am Richardplatz in Berlin verwirklicht. 

Auszug aus dem Buch zur wooden cloud Berlin 2017:
Ich wünsche: Mehr gesunden Menschenverstand
(Buchbestellung: siehe Kataloge)

Nie hätte ich geglaubt, dass es ein zweites St. Petersburg werden würde, mit tagelangem Starkregen, speienden Fallrohren und zerfetzten Regenschirmen. Und nie hätte ich mir vorgestellt, dass es so schwierig werden würde, den richtigen Standort für meine Installation zu finden, dass ich mit so vielen Vorbehalten, Vorschriften, Tabus, Restriktionen zu tun haben würde, die es irgendwann fast unmöglich erschienen ließen, das Projekt umzusetzen. Mein Gott, es ging um Berlin, die Stadt der Kunst, der verrückten Ideen, das Zentrum des Ungehorsams, den wahren Ort der unbegrenzten Möglichkeiten. In dieser Stadt, so groß wie das Saarland gab es doch unzählige Parks, Plätze, Gebäudeecken, Häuserlücken, die nur darauf warteten, von mir für eine Zeitlang mit Holzlatten gestaltet zu werden. Glaubte ich. Beflügelt und übermütig geworden durch die Aussage einer Mitarbeiterin des Kanzleramtes, „Da brauchen wir gar nicht lange zu suchen, wir setzen das Ding auf die große Wiese, direkt vor den Reichstag“, gestattete ich mir, ebendiesen Platz abzulehnen, und war mir zu jenem Zeitpunkt noch sicher, jede mir in den Sinn kommende Stelle in Berlin haben zu können. Dabei würden mich die Orte, an denen sich wie in jeder Metropole Menschen aus aller Welt tummeln, bloß keine Einheimischen, nicht interessieren. Es war der Petersburg-Effekt, der hier durchschlug.

Die wooden cloud am Richardplatz in Berlin

Die wooden cloud im Regen

 

 

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